Tierschutzverein Winterthur und Umgebung

Wissenswertes

Vierpfoten und die Silvesterknallerei

17.12.2021 / JD

 

 

 Während einige Menschen die Knallerei von Feuerwerkskörpern als Unterhaltung empfinden, geraten viele Tiere in grosse Panik und Todesangst. Haustiere (Katzen, Hunde etc.), aber auch Wildtiere nehmen den Feuerwerkslärm, den Schwefelgeruch durch abgebranntes Schiesspulver und die hellen, farbigen Blitze am Himmel als lebensbedrohliche Situation wahr.

 

Aber wieso geraten viele Tiere in Panik?

Katzen und Hunde hören fast dreimal besser als wir. Unsere Vierbeiner hören Tonfrequenzen, die das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmen kann. Menschen können bis zu 20’000 Schwingungen (Masseinheit «Hertz») in der Sekunde hören, jedoch nimmt der Wert mit dem Alter stark ab. Katzen und Hunde kommen hingegen auf Töne bis zu 50’000 Hertz. Das heisst, dass unsere Vierbeiner Töne hören, die wir niemals hören können.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in der Anatomie des Tierohres: Katzen und Hunde besitzen viele Muskeln in ihren Ohren. Sie können dadurch ihre Ohrmuscheln bewegen und dadurch noch genauer erkennen, woher ein Ton kommt.  

 

Wie kann man den Tieren helfen?

Natürlich reagieren nicht alle Katzen und Hunde gleich auf die Silvesterknallerei. Während die einen relativ entspannt bleiben, geraten geräuschempfindliche Tiere bei der Knallerei in Panik und erleben den Silvesterabend als einen Albtraum. Sie zittern, verkriechen sich in eine Ecke oder unters Bett, übergeben sich oder werden schlimmstenfalls sogar unsauber. Oft manifestiert sich diese Panik im 3. Lebensjahr und verschlechtert sich von Jahr zu Jahr, da sich hier leider ein unschöner «Lerneffekt» entwickelt.

Nicht nur die Feuerwerksgeräusche, sondern auch der Schwefelgeruch von gezündeten Feuerwerkskörpern können bei manchen Katzen einen Fluchtinstinkt auslösen: Katzen, die Freigänger sind, fliehen in ihrer Angst aus ihrem Zuhause und entfernen sich weit weg. Leider verunfallen in der Silvesternacht regelmässig Katzen, die auf ihrer Flucht vor ein Auto laufen.

Hunde und Katzen sollten den Silvesterabend daher in der Wohnung / im Haus verbringen und nicht über einen längeren Zeitraum allein gelassen werden (evtl. Katzenklappe schliessen). Die Tiere brauchen das Gefühl von Sicherheit. Wenn Tierhalter Gelassenheit ausstrahlen, vermittelt das auch unseren Haustieren Sicherheit. Übertriebenes Streicheln oder Zureden sorgt bei manchen Tieren aber eher für das Gegenteil: Sie glauben, dass wirklich eine grosse Gefahr besteht, wenn man sich ihnen so sehr intensiv widmet. Am besten verhält man sich als Tierhalter daher ruhig, streichelt sein Tier ganz normal und zeigt somit, dass das Feuerwerk kein Grund zur Aufregung ist.

Als Hundehalter ist es natürlich auch möglich, an Orte zu fahren, wo am Silvesterabend weniger geknallt wird, zum Beispiel in einen abgelegenen Wald oder in eine denkmalgeschützte Innenstadt, wo Feuerwerke verboten sind. Vielen Tieren hilft es, wenn Fenster geschlossen, Rollläden herunterlassen bzw. Vorhänge zugezogen werden. Katzen sind Fluchttiere. Bleibt Ihnen am Silvesterabend die Flucht nach draussen verwehrt, brauchen sie in der Wohnung oder im Haus einen Ort, an dem sie sich zurückziehen können. Ideal ist ein ruhiges Zimmer, das möglichst weit weg vom Feuerwerkslärm ist, oder ein bequemes abgedunkeltes Körbchen, eine gepolsterte Schachtel als kleine «Höhle» etc. Leise Musik oder auch Fernsehgeräusche können ebenfalls helfen, den Feuerwerkslärm für die Tiere ein bisschen auszublenden. Der Ansatz einer „Feuerwerks-Desensibilisierung“ mit Hilfe von Youtube oder CDs, auf denen Silvesterfeuerwerk zu hören ist, kann in manchen Fällen sinnvoll sein. Wichtig ist, dass man mit dem Training rechtzeitig beginnt, denn es braucht Zeit, bis sich das Tier an die neuen Geräusche gewöhnt. Falls ihr Haustier in den letzten Jahren in grosse Panik und Todesangst geraten ist, gibt es noch andere Lösungen und Mittel, die man aber mit dem Tierarzt besprechen sollte.  

 

Wildtiere

Nicht nur für Haustiere, sondern auch für Wildtiere bringt die Silvesterknallerei einen grossen Stress und Angst. Besonders Wildtiere reagieren auf mögliche Gefahren sehr empfindlich. Im Winter müssen sie mit ihren Kräften gut umgehen können, da sie nur begrenzte Nahrungsreserven zur Verfügung haben. Ein hoher Energieverlust durch eine panische Flucht wegen Feuerwerkskörpern am Himmel kann lebensbedrohliche Folgen haben.  

 

Was man als Tierhalter ebenfalls tun kann

Sich politisch, aber auch im Freundes- und Bekanntenkreis für einen friedlichen, tierfreundlichen Silvester einsetzen und für einen tierfreundlichen Silvester ohne lautes Feuerwerk appellieren.  

 

Vielen Dank und einen ruhigen Rutsch ins neue Jahr!